Im Höhenflug zum Tiefpunkt – Life Update

by Sabrina

Es gibt eigentlich schon ein wahnsinnig langes und sehr emotionales Life Update. Ich habe den Blogpost gleich in der Nacht von Freitag auf Samstag geschrieben aber (glücklicherweise) nicht sofort veröffentlicht. Das ist nun Life Update 2.0 – ein bisschen geordneter und kürzer *haha*.

Im Höhenflug zum Tiefpunkt

Genauso könnte ich die letzten vier Monate zusammenfassen. Top motiviert bin ich nach der #berosaWienerhausbergeChallenge in den Sommer gestartet. Aus der Challenge rausgegangen wie Super Woman und den Sommer als Vogel Strauß beendet – Kopf in den Sand und hoffen, dass alles wieder gut wird.

Ich wollte zu viel…

… und habe zu wenig getan. Wenn ich mir meine Sommer To Do Liste ansehe, sehe ich gerade drei Häkchen. Die Liste hat elf Punkte. Den Sommer habe ich mit einer Schulterluxation gestartet und mit einer Steißbeinprellung beendet. Für die Luxation konnte ich wirklich nichts. Ich habe mich hier nicht in Gefahr gebracht, es war einfach ein saublöder Unfall der mir überall hätte passieren können.

Aber ich verstehe erst jetzt was diese Luxation eigentlich für Nachwehen hat. Ich MUSSTE mir beweisen, dass ich weiterhin Super Woman bin. Total geblendet von meinem fast schon krankhaften Übermut, habe ich die Luxation mehr oder weniger verleugnet. Bin eine Woche nach meinem Unfall eine 6- Kletterroute gegangen. Mehr muss ich wahrscheinlich eh nicht sagen.

Als wäre das nicht genug

Als wäre die Schultersache nicht schon schlimm genug, habe ich mir beim Klippenspringen auch noch das Steißbein geprellt. Zwei von drei Sprüngen von der 15 Meter hohen Klippe gingen gut, der dritte zeigte mir, dass ich nicht unkaputtbar bin. Ich habe mir nicht nur etliche Prellungen und Verletzungen zugezogen sondern auch das letzte bisschen Vertrauen in mich verloren (neben dem Steißbein war ja auch mein Brustkorb geprellt, hatte eine Nackenzerrung, blaue Flecken über Popsch und Oberschenkel und traumatisierte innere Organe…).

Und ich dachte ich könnte munter weitermachen…

… und dann ging mir ein Licht auf

Sing me baby, home, sing me baby, home – run baby, run baby, run baby, run

Ich balanciere über die Slackline, Hummed Low von Odessa in Dauerschleife im Ohr, und plötzlich sehe ich klar. Ich verstehe gerade alles, empfinde endlich wieder so etwas wie Ordnung – alles ergibt Sinn. Ich laufe fünf Mal in Folge über die Slackline, ein neuer Rekord.

Ich war am Freitag regelrecht überwältigt. Plötzlich hat sich alles wieder gut angefühlt, ich bin wieder angekommen. Angekommen bei mir selbst, demütig aber reflektiert. Ich habe es verstanden.

Vertrauen

Dass ich das Vertrauen in mich verloren habe, wurde mir aber erst am Freitag klar. Das verlorene Vertrauen in mich selbst war mein Problem. Der Grund, dass ich nicht mehr dort weitermachen konnte wo ich Ende Mai aufgehört habe. Auch wenn es nicht den Anschein gemacht hätte, habe ich ein regelrechtes Vermeidungsverhalten aufgebaut.

Diesen Sommer habe ich kaum Dinge gemacht die mich gefordert hätten. War auf einem mittleren und recht angenehmen Leistungsniveau unterwegs. Ich habe mich selbst nicht herausgefordert. Dabei macht mich genau das aus und es hat mich innerlich zerfressen. Mich einfach unglücklich gemacht. Ich habe plötzlich Gefahren gesehen wo gar keine waren, mich selbst total blockiert. War mir nicht mehr sicher was ich mir noch zutrauen kann.

Und immer eine Ausrede parat

Eigentlich hätte ich die Luxation GLEICH anständig ausheilen und behandeln lassen sollen. Aber vielleicht wollte ich auch einfach mal eine Pause. Vielleicht war es für mich nur eine Ausrede nicht mit Vollgas nach der Challenge weitermachen zu können. Irgendwie war es angenehm mal nicht 100% geben zu müssen. Wenn ich jedoch gewusst hätte, dass dieses Aufschieben am Ende alles nur noch schlimmer machen würde, hätte ich sicher anders gehandelt.

Denn aus einem physischen wurde nun ein psychisches Wehwehchen. Wenn man bei dem Gedanken an schwierige Bergtouren und Klettersteige statt Vorfreude Unbehagen empfindet, läuft etwas falsch.

Verleugnen und ignorieren

Verleugnen, ignorieren und “Irgendwie wird’s schon gehen”. Genau so bin ich das Ganze angegangen. Ich habe mich nicht damit auseinandergesetzt. Prinzipiell hat das ganz gut funktioniert. In der Ramsau bin ich ja auch einen D-Klettersteig gegangen und auf den Dachstein rauf. Bei dem Klettersteig war die Steißbeinprellung gerade mal drei Tage alt. Die Autofahrt in die Steiermark war der Horror – ich hatte wirklich starke Schmerzen beim Sitzen. Am Klettersteig war mein Fokus auch nur beim Steißbein – das eigentlich fehlende Vertrauen stand im Schatten der Schmerzen.

Erst als ich vor zwei Wochen aus der Toskana heimkam, übernahm dann mein Kopf die Führung.  Das Steißbein ist ja mittlerweile ganz gut verheilt und trotzdem wollte ich nicht so richtig in die Berge und das obwohl ich sie so vermisst habe.

Immer wieder lief in meinem Kopf der gleiche Film ab: Was wenn ich abrutsche oder stürze? Was wenn ich mir die Schulter wieder ausrenke? Dann heißt es operieren, mindestens 6 Monate ausfallen, bald kommt der Winter, kein Snowboarden…

Akzeptanz und Demut

Am Freitag habe ich endlich meine Schulterübungen gemacht. Die Physiotherapie die ich viel zu spät angegangen bin und vor mich hergeschoben habe.

Ich habe mich am Freitag bewusst und ganz alleine, ohne Physiotherapeutin und mit viel Überwindung zum ersten Mal in meine linke Schulter gehängt. Zwar nur mit halben Gewicht, aber ich habe es getan. Es war meine größte Angst. Ich weiß nicht ob mir das wirklich bewusst war. Vielleicht wusste ich gar nicht so richtig was mir Angst macht. Ich wusste nur, dass ich meinem Körper nicht mehr vertrauen kann.

Dieser kleine Erfolg hat so viel verändert. Es kam mir vor als hätten mein Körper und ich wieder Frieden geschlossen. Als wäre das der erste Schritt um wieder eine Einheit zu bilden. Eine Erfolgseinheit. Ich bin leider so ein furchtbarer Erfolgsenthusiast. Für mich galt immer die Regel: Der Kopf bestimmt, der Körper führt aus. Und das hat immer funktioniert und so wie es aussieht funktioniert es jetzt auch wieder.

Ich empfinde nämlich jetzt schon wieder Vorfreude und fühle mich regelrecht geheilt (zumindest psychisch). Ich akzeptiere nun, dass ich zuerst die Schulter Baustelle in Angriff nehmen muss. Dass ich mir sicher sein muss, dass ich meine Schulter wieder voll einsetzten kann bevor ich mich in anspruchsvolle Abenteuer stürzte. Und ich akzeptiere, dass es erstmal Arbeit und Verzicht bedeutet.

Seltsam wie schnell sowas gehen kann wenn man einfach mal beginnt zu akzeptieren dass man nicht Superwoman ist. Wenn man einfach akzeptiert, dass Ängste sich nicht plötzlich in Luft auflösen und dass man manchmal auch zurücktreten muss um wieder einen Schritt nach vorne machen zu können.

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